Was? Von Ringpanzern und Kettenhemden

Bei Mittelalter denke ich an edle Ritter in eleganten Rüstungen aus Platten oder Ringen. Ist es nicht faszinierend, wie starre Metallteile zu beweglichen Kleidungsstücken zusammengefügt werden können? Besonders elegant finde ich Rüstungen aus Ringen. Sie legen sich wie eine eiserne Haut um den Körper des Trägers. Sie verkörpern gleichzeitig ein Gefühl der Unverwundbarkeit und Beweglichkeit. Ihr Gewicht verteilt sich über Schultern, Hüfte und Arme, so dass sie sich auch 8 bis 14kg nicht schwer anfühlen. Im Gegensatz zu Plattenrüstungen kann ein Ringpanzer bequem von verschieden großen Trägern getragen werden. Schäden können unkompliziert ausgebessert werden. Auch Rost ist kaum ein Problem. Er wird sofort abgerieben, wenn sich die Ringe aneinander reiben. All das macht eine Rüstung aus Ringen zu einem kostbaren und brauchbaren Kunstobjekt. Sie lässt sich von Generation zu Genaration weitergeben, ohne über die Jahre an Wert oder Faszination zu verlieren.

Vielleicht ist dir beim Lesen aufgefallen, dass ich im oberen Absatz ohne das Wort Kettenhemd ausgekommen bin. Obwohl es umgangsprachlich sehr etabliert ist, vermeide ich es zu verwenden. Letztendlich verwende ich es doch, damit die Seite leichter gefunden werden kann. Der Begriff Kettenhemd erweckt den falschen Eindruck, dass Ringe in einer Kette aufgereiht sind. Statt als eindimensionale Kette hängen die Ringe aber als zweidimendional verknüpftes Geflecht ineinander. Ein solches Geflecht kann ähnlich wie gestrickter Stoff eine Wölbung formen. So kann zum Beispiel eine Fußferse oder Schulter ohne Ecken und Kanten gemacht werden. Dazu müssen an den richtigen Stellen einzelne Ringe gesetzt werden, die vom Muster abweichen. Sie halten mehr oder weniger Nachbarringe als es sonst im Muster üblich ist. Damit lassen sich besser menschliche Körperformen nachbilden. So wird Gewicht eingespart und die Beweglichkeit verbessert. Darin liegt die eigentliche Kunst, gute Ringpanzer zu bauen.

Leider sind viele rekonstruierte Kettenhemden bzw. Ringpanzer, die ich bisher gesehen habe nicht so elegant geformt. Stattdessen sind sie in einer primitiven Art gebaut – wie Stoff den man schneidet und näht. Für mich sind gute Ringpanzer nicht wie ein Hemd gewebt und genäht, sondern wie Maschenware gestrickt. Sie werfen keine Falten oder stehen über, sondern passen wie eine eiserne Haut perfekt zum Träger. Mit dieser Seite möchte ich dir helfen, passende Kettenhemden selbst zu bauen.

Warum? Was treibt einen an, solch ein extravagantes Hobby zu betreiben?

Wie eben beschrieben, sind Ringpanzer so faszinierend, dass allein das für mich Motivation genug ist, diese zu bauen. Hinzu kommt, dass zum Kauf angebotene Kettenhemden meist Stangenware sind. Vorgefertigt gekaufte Kettenhemden sind fast immer schwer, wenig kunstvoll geformt oder unter unbekannten Arbeitsbedingungen im Ausland produziert. Die verbauten Ringe enthalten mehr Schwachstellen wie schlecht platzierte Nieten oder abstehende Enden, als man beim Eigenbau verwenden würde.

Wenn man viel Geld und wenig Zeit hat, ist es ein guter Kompromiss, sich Ringe zu kaufen. Damit kann man dann nach eigener Vorstellung Ringpanzer bauen. Man muss aber bis zu 40% Ausschuss aussortieren. Dabei verpasst man leider die Freude am experimentellen Arbeiten bei der Herstellung der Ringe. Aus Mittelalter und Antike ist so gut wie nichts über die exakten Herstellungsmethoden und Werkzeuge der Ringpanzermacher bekannt. Daher muss jeder moderne Sarwürker – so nennt man diese Handwerker auch – seinen eigenen Weg zum Erfolg finden. Der Lohn dafür sind leichte, feste Ringe. Diese Ringe übertreffen gekaufte Ringe in der Qualität und kommen den historischen Originalen bezüglich der Schutzwirkung am nächsten. Auch auf dem Weg diese Herstellungsmethoden zu erlernen, will ich dir mit dieser Seite eine Hilfe sein.

Wie? Von Akkubohrern und Handkurbeln

Hand aufs Herz: Obwohl Ringpanzer auch heute noch ihre Anwendung als Schutzkleidung in der Fleischerei oder bei Spezialeinheiten haben, steht die Begeisterung für Geschichte bei mir im Vordergrund. Für mich steht an erster Stelle, mit meinen Nachbildungen den historischen Originalen so nahe wie möglich zu kommen. Dabei können und müssen aber auch in gewissem Umfang moderne Werkzeuge zur Hilfe genommen werden. So kann schneller und effektiver etwas über die vergangenen Herstellungsmethoden erlernt werden. Beispielsweise verwende ich als Ausgangsmaterial weichgeglühten Eisendraht – wohl wissend, dass dieser keine Schlackeeinschlüsse wie mittelalterlicher Draht besitzt. Würde ich versuchen alles Eisen selbst zu verhütten, hätte ich bis heute keinen einzigen Ringpanzer fertig gestellt.

Wichtig ist es daher, sowohl moderne als auch historische Methoden zu beherrschen und ihre unterschiedlichen Auswirkungen zu kennen. Bei Vorführungen rolle ich zum Beispiel den Draht mit einer handgetriebenen Kurbel zu einer Feder auf. An sonsten verwende ich einen Akkubohrer. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das gleiche. Erstaunlicherweise ist in vielen Fällen ist aber die historische Methode besser. Beispielsweise kann ich die Nietlöcher schneller und präziser mit einem Stempel ausstanzen als sie elektrisch zu bohren. Die Arbeitsschritte sind nicht in Stein gemeißelt. Der Austausch mit anderen Ringpanzermachern trägt dazu bei, stetig dazu zulernen. Wenn du eine Frage hast, zöger nicht. Ich helfe dir gern weiter.